Sie sind hier: Startseite > Galerie im Mischhaus > E. Otto

E. Otto

„Fenster” – Fotografie

Galerie im Mischhaus
2005 (?)
Bild von oTTo

Fenster-Bild von oTTo

Die einfache wie prägnante Begrifflichkeit entspricht der scheinbaren Banalität des damit verbundenen Motivs, welches in der nur allzu selbstverständlichen täglichen Konfrontation von unserer Wahrnehmung eher gestriffen als beachtet wird. Wir laufen an Fenstern vorüber, stehen ihnen gegenüber, schauen hinein, zu ihnen hinauf oder aus ihnen heraus, öffnen oder schließen sie. Und dann und wann sichern sie sich unsere Aufmerksamkeit – wie hier und jetzt. Le Coubusier hat die Geschichte der Architektur als eine Geschichte der Fenster beschrieben, der sich die Geschichte des Glases anschloss. Aus den ersten einfachen Licht- und Luftöffnungen der frühen Römer (lat.: fenestrae; lediglich im Englischen hat sich das Wort altisländischen Ursprungs erhalten: window, von vindauga, Windauge) sind heute komplexe Fensterarragements geworden, die mit den Flächen und Passagen zwischen dem Innen und Außen spielen. Neben ihrem metaphorischen Gehalt sind es gerade die Spiel- und Sichtweisen, welche Fenster zu einem reizvollen und zugleich beständigen Bildsujet in der Kunst werden ließen.

Dass die wiederholte Hinwendung zu dem Motiv zeitweilig ganz unbewusst geschieht lässt sich im Werk zahlreicher bekannter Fotografen ablesen und trifft auch auf E. Otto zu. Das Fenster ist nur ein Bildthema neben anderen. Dennoch war es für ihn im Zuge der Ausstellungsvorbereitung selbst überraschend, in welcher Fülle und Kontinuität er über Jahre hinweg dieses Motiv immer wieder mit seiner Kamera eingefangen und festgehalten hat.

Seine Fotografien von Fenstern sind Fundstücke, die aus einer zufälligen Begegnung in Verbindung mit einer wachen und sensiblen Wahrnehmung resultieren. Seine Fenster/bilder, von denen die Ausstellung nur ein Bruchteil zeigen kann, lassen das dahinterliegende Interesse erkennen. Es ist die Lust am Zusammenspiel von Licht, Farbe, Form und Struktur, an der selektiven und transformierenden Kraft seines gewählten Mediums Fotografie, gepaart mit einem Sinn für das Marode, Bizarre oder Skurile.

Bild von oTTo

Fenster-Bild von oTTo

So entstehen nahezu transparente monochrome Farbflächen, abstrakte, fremde und geheimnisvolle eigenständige Bildräume oder Aufnahmen, die die Aufmerksamkeit auf Zustände, Strukturen und Größenverhältnisse lenken. Zeitweilig sind es humorvolle und hintersinnige Begegnungen mit Dingen, Zeichen und Bedeutungsträgern rund um das Fenster. Auch wenn kaum eine Aufnahme den Menschen am Fenster fixiert, schließt dies nicht aus, dass die Bilder unterschwellig oft auch Befindlichkeiten transportieren.

Quelle der assoziativen Fensterbilder sind die wechselnden Standpunkte des Fotografen – von Innen und Außen, Distanz und Nähe, Tag und Nacht, von privaten und öffentlichen Räumen, heimischen und fremden Orten. Mittels variierender Perspektiven und dem Ausschöpfen der technischen Möglichkeiten des fotografischen Mediums zeigt E. Otto eine Bildwelt, die oft von der realen Wahrnehmung abweicht oder kaum wahrgenommen wird. Beeindruckend ist hierbei immer wieder die präzise wie auch phantasievolle Hinwendung zu dem Motiv, der selektive Blick mit dem das Vorgefundene in eine eigenständige Bildform transferiert wird.

Fenster sind Zwischenräume, Passagen. Sie sind trennendes und vermittelndes Glied zwischen Außen und Innen, hier und dort, nah und fern, zwischen parallel verlaufenden existenten Welten, zum Anderen. Eine schier endlose Assoziationskette tut sich auf, besinnt man sich auf Fenster als begrifflichen Bedeutungsträger, auf ihren metaphorischen Gebrauch, ihre architektonischen Formen, als gesellschaftliche oder individuelle Handschrift, als Spiegelbilder und Reflexionsflächen oder die ganz persönlichen Gedankenstränge, die sich mit dem Platz am Fenster verbinden.

Der beschränkte Blick bleibt unbegrenzt.

Die Ausstellung lädt herzlich ein zu neuen und alten, fremden und vertrauten An- und Einsichten.

Text: Petra Steinhardt


Der Fotograf - Eckhard Otto

1952 in Dahlen/Sachsen geboren
1959 erste fotografische Versuche mit einer Pouwa Start
1958–1989 Schule, Studium (Informationstechnik), Arbeit in der DDR
Während dieser Zeit wechselnde meist autodidaktische Beschäftigungen mit Fotografie, Malerei und Grafik.

– Mitglied im fotoclub ferrum Riesa
– Mal- und Zeichenzirkel im Haus des Lehrers in Leipzig (Anleitung Holger Melcher)
– privates Aktzeichnen
1987–1990 politisch thematisierte Fotoreportagen
1990–2006 Fotografie rückt vor allem seit ca. 2000 in den Mittelpunkt seines Schaffens

Homepage: www.oinle.de

 

© 2017 MISCHHAUS LEIPZIG