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Gerlind Büchner

Malerei

Galerie im Mischhaus
2007 (?)
Steffen Birnbaum und Gerlind Büchner (r.)

Steffen Birnbaum und Gerlind Büchner (r.)

Wir haben es bei Gerlind Büchner mit abstrakten Bildern zu tun. Fast fernab von gegenständlichen Themen und Formen. Aber gibt es überhaupt abstrakte Kunst? Wenn ja, was ist das und wie entsteht eine solche Auflösung, wenn das Gegenständliche verschwimmt im Nebulösen und sich die Farben in verschiedenen Abstufungen zusammenfinden und wieder ein Ganzes ergeben, das sichtbar für denjenigen wird, der sich öffnet und bereit ist einzutauchen in diese ganz eigene weibliche intuitive Sichtweise. Gerlind Büchners Bilder enstehen in sehr kreativen Prozessen. Dabei experimentiert sie mit Farben. Ihre Acryl-Bilder haben fließenden Charakter, sie sind assoziativ und äußerst lebendig. Bilder von hoher Wahrnehmungskraft. Ein Ozean des Unbewussten, der sich hier zeigt. In kräftigen starken Farben erkennen wir die dunkle Tiefe, die murmelnden Geheimnisse und die versteckten Schätze, die das Unbewusste beherbergt. Schätze, die hier gehoben und auf die Leinwand gezaubert werden.

Wie archäologische Kleinarbeit arbeitet sich Gerlind Büchner durch diese Lebendigkeit. Mit der Spachtel legt sie Schicht um Schicht frei, um neu einzutauchen in die Vielfalt der Farben. Dabei fügt sie neue Schichten hinzu. Solange bis das Bild ein eigenständiges Leben bekommt. In starker Affinität zu Gefühlen und Emotionen und in verspielter Weise, die auch den Charakter des Unbewussten beschreiben.

Hier im Unbewussten ist auch der weibliche Bereich von Mythos und Magie zu finden wie bei ihrem Bild „Lilith”. Ein kräftiges Rot in verschiedenen Abstufungen, das den Betrachter fast erschreckt. Lilith – die freiheitsliebende, die widerspenstige Urfrau vertritt die Dialektik von Dasein und Nichtdasein, von schwarz und weiß. Sie ist die Göttin der Fruchtbarkeit und gleichzeitig des Todes. So kommt uns das Bild entgegen: Kompromisslos und entschlossen. Kraftvoll. Lilith fordert Ebenbürtigkeit!

Ein Bild von Gerlind Büchner

Ein Bild von Gerlind Büchner

Das starke Rot finden wir auch wieder in den beiden Stadtlandschaften „Hochhaus” und „Stadtansicht”. Hier ist es ein Abendlicht im Sog der Großstadt. Rot schwarz und orange verschwimmt wie ein permanenter alles durchdringender Geräuschpegel von Bewegung und Unruhe, von verdichteten Energien in engen Straßen und Menschenmengen. Dazwischen Stille und Innehalten.

Ganz anders die beiden Bilder „Vision I” und „Vision II” in leuchtenden türkis, weiß, shwarz, rot. Die beiden Bilder zeigen die lichte Kraft der Vision. Denn es sind unsere Wünsche, die uns antreiben. Unsere Wünsche und Visionen. Nichts weiter. Unsere Hoffnung auf Erfüllung. Die Sehnsucht nach Vollkommenheit. Trotz des Zweifels, trotz der Ängste, trotz der Rückschläge, der Verletzungen. All das ist in diesen beiden Bildern zu finden.

Und wieder Schicht un Schicht aufgetragen. So wie wir alle täglich Stück für Stück und Schicht für Schicht immer wieder lernen müssen uns nicht von den Wellen des Lebens unterkriegen zu lassen, sondern lernen müssen auf diesen Wellen zu surfen. Dafür steht dieses lichte hoffnungsvolle Blau!

Gerlind Büchner ist 1966 geboren und gelernte Buchbinderin. Sie malt seit vielen Jahren. Ihre Arbeit in einem kaufmännischen Beruf und die dort herrschende Ordnung der automatisierten, durchorganisierten Systematik des Alltagslebens steht im Gegensatz zu ihren intuitiven, emotionalen Bildern und bildet einen Ausgleich zu der rationalen Ordnung und der Überbetonung des Intellekts. In ihren Bildern kann sie diese Gegensätzlichkeit aufheben und damit ihrer eigenen inneren Stimme, die so authentisch und kraftvoll ist, Gehör verschaffen.

In dem vierteiligen Bild „Himmelskörper” oder in den drei Hochformaten „Vollmond” können wir die Zerbrechlichkeit sehen in der einen Bewegung, den freien Fluss der Lebensenergie, wenn er zugelassen wird und gewürdigt in seiner Zartheit und Verletzlichkeit.

Wir sehen den Mond in ihren Bildern immer wieder als Symbol für das vergessene Wissen um die natürlichen Rhythmen der Natur. Der Mond als Urkraft, als Geheimnis, das sich uns nur auf unbewusster Ebene erschließt im Bereich der Mythen. Eine archaische Kraft, die unsere gewohnten rationalen Sichtweisen in Frage stellt von der logischen Ordnung der Dinge.

Und hier schließt sich auch der „magische Kreis” der Thematik der Bilder. Lilith fordert die Ebenbürdigkeit, die Anerkennung, die Wertschätzung, die Liebe.

Licht und Dunkel sind keine Gegensätze. Es ist ein und dasselbe. Und nur die Überwindung der Dualität schafft das Verbindende, das Gemeinsame, das männliche und das weibliche in seiner Einheit als Heil-Bringende Kraft der Liebe.

Diesen Paradigmenwechsel, der uns bevorsteht, hat Gerlind Büchner mit großer Sensibilität eingefangen.

Es sind noch weitere Bilder zu benennen: Der „Kopf in Pink”, ein „Porträt” und „Lesender”. Hier ist Gegenständliches zu erkennen. Und hier kommen wir zum Ausgangspunkt der anfangs gestellten Frage: Gibt es überhaupt abstrakte Kunst?

Picasso erklärt das Verhältnis seiner Werke so: „Es gibt keine abstrakte Kunst. Man muss schließlich immer mit etwas anfangen, bevor man dann alle realistischen Züge ausklammern kann. Ein Bild soll nur Emotionen ausstrahlen, sonst nicht.” Soweit Picasso.

Ich wünsche Gerlind Büchner noch viele lange Nächte zum malen und ein gutes Gespür für die wilde weibliche intuitive Stimme. Vielen Dank!

Text: Leokadia Kuhn


Gerlind Büchner

1966 in Leipzig geboren
1973 – 1985 Schule und Ausbildung zur Buchbinderin
1985 – 1989 Arbeit in der Buchbinderei / Restaurierung - Deutsche Bücherei Leipzig
1989 – 1991 Mitarbeiterin "Galerie ECK Südost" Leipzig
1992 – 1994 Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten
seit 1995 Arbeit in verschiedenen Branchen im kaufm. Bereich, lebt in Leipzig

Interessen: Acrylmalerei, Zeichnen, Fotografie und digitale Bildbearbeitung

Schönbachstr. 64
04299 Leipzig
Kontakt: gerlind.buechner@web.de

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