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Lutz Birke

Malerei, Grafik

Galerie im Mischhaus
August 2006
Bild von Lutz Birke

Bild von Lutz Birke

Lutz Birke öffnet in seinen Bildern Räume. Farbliche Räume, die sich fluoreszierend im Auge des Betrachters öffnen. Seine Konstrukte ziehen uns in geometrische Formen: Kreise, Dreiecke, Linien, Tetraeder, Quadrate. Alles scheint in Bewegung. Ein Rhythmus von Linien, Flächen, Hell und Dunkel und Farben. Abstrakte Formen, die so abstrakt nicht sind. Raum und Zeit verschwimmt hier. Ein Labyrinth das wir kennen aus Träumen. Treppen, die nirgendwo hinzuführen scheinen.

Hinter den möglichen Türen öffnen sich neue Dimensionen, vermutlich neue Räume. Aber wie wir wissen sind Raum und Zeit Illussion, Konstrukte unseres Bewußtseins, die wir benötigen um die Gerüste für unser Denken und Handeln zu bauen.

Hilfslinien an die sich unser Intellekt klammert, um Ordnung zu schaffen, Struktur, Orientierung und Organisation. Der Intellekt aber trennt. Er trennt uns von der Ganzheit ab. Hier aber in den Bildern von Lutz Birke gibt es das Verbindende. Durch die Farbe, durch Symbolik. Der Intellekt verbindet sich mit Sinnlichkeit, die Intuition mit Kreativität. Das macht den Reiz der Bilder aus. Das schafft die Verbindung von beidem und hebt die Dualität auf.

Lutz Birke ist 1944 geboren und von Beruf Galvaniseurmeister. Wie bei vielen von uns zeigt auch seine Biographie 1989 Umbrüche auf, Verlust von Bestehendem und Neuorientierung. Er sagt von sich er sei Audididakt. Seine Gehversuche im Zeichenzirkel waren nicht von langer Dauer. Seine Suche nach Eigenem führten ihn zu den Künstlern des „Blauen Reiters”, zum Konstruktivismus, Futurismus, Suprematismus.

Wassily Kandinky, Kasimir Malewitsch oder Mondrian seien hier stellvertretend benannt. Kandinsky sah in der abstrakten Kunst das „reine Mittel um Visionen auszudrücken”. Und mit Visionen haben wir es auch bei den Bildern von Lutz Birke zu tun. 1919 sagte Mondrian: „Der wirklich moderne Künstler weiß, dass ein Gefühl der Schönheit etwas Abstraktes ist, dass dieses Gefühl kosmisch, universell ist …”

Wir sehen bei Lutz Birke den Mond, die Sonne, den Planet, die Erde. Den Baum mit den Fünf Kelchen der Fülle. Fülle bedeutet hier Liebe, Phantasie, eine Verwurzelung in der Erde und schöpferische Kraft. Sehnsucht nach Harmonie und Schönheit. Das sind auch Charaktereigenschaften, die hier in die Bilder einfließen. Visionen. Wünsche. Und all das verbindet sich mit Geometrie.

Geometrie ist wie wir wissen in allen Bereichen der Schöpfung zu finden z.B. in den Körpern und Proportionen der DNS, in Pflanzen, im Wasser, Kristallen und Planeten. Da Vincis „Goldener Schnitt” beinhaltet all diese Gesetzmäßigkeiten, die unsere Architektur bestimmt.

Aus dieser Quelle hat Lutz Birke geschöpft: Ein „Turm”, der uns Ausblick gewährt. Wohin? In die Weite? Ein strategischer Verteidigungs- oder Beobachtungs Punkt? Vielleicht sind wir ja die „Ameisen” in diesem Turm zu Babylon? Und seine ineinanderlaufenden Kreise bewegen sich wie ein „Metronom in dualer Zeit”, ein Tempomesser ein Taktanzeiger. In einer sich immer schneller drehender Zeit. Soviel ich weiß, sammelt Lutz Birke Uhren.

Auch hier wieder eine Verbindung: Raum und Zeit. Das ist kein Zufall. Der Ungar Laszlo Moholy-Nagy, der am Bauhaus Konstruktivismus lehrte sagt: „Die abstrakte Kunst entwirft eine erstrebenswerte, zukünftige Ordnung. Sie schafft […] visuelle Gesetze als visuelle Ergänzung zu einer zweckmäßigeren, kooperativen, menschlichen Gesellschaft. Kunst ist der Schleifstein der Sinne, der die Augen, den Geist und die Gefühle schärft.” Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Den Konstrukten, den Denkmodellen, die unser Leben bestimmen den richtigen Stellenwert geben. Das ist eine Aufgabe, eine Triebkraft, ein Zugpendel, eine Vision, eine „Unruhe”. Suprematismus. Suprematie bedeutet „die Vorherrschaft der reinen Empfindung”. Genau das ist es. Das Verbindende zu suchen und zu finden, das ist Lutz Birke in diesen Bildern gelungen.

Ich wünsche Lutz Birke noch viel geometrische Formen-Vielfalt in diesen leuchtenden lebensbejahenden Farben, die uns wie Neonlichter durch das Dunkle hindurch ins Lichte begleiten.

Vielen Dank dafür!

Leokadia Kuhn

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